Wo kann ich mich engagieren?
Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche in Deutschland
Du hast Lust, etwas mit anderen und für andere zu tun? Du möchtest dich engagieren? Etwas in deiner Umgebung verändern? Herzlichen Glückwunsch! Das ist die erste Voraussetzung für Beteiligung. Du weißt aber noch nicht genau, wo du dich engagieren kannst und was du machen möchtest? Es gibt tausend Möglichkeiten. Hier haben wir einige Möglichkeiten zusammengestellt, wo und wie du deine Umgebung gestalten kannst.
Wo fange ich an?
Wenn du noch nicht weißt, im welchen Bereich du etwas machen möchtest, hat die internationale Vernetzungsplattform TakingITGlobal (TIG) einen Leitfaden für Leute entwickelt, die "die Welt verändern wollen". "Guide to Action" erklärt, wie man Träume und Ideen in sechs Schritten umsetzt.
Sich informieren - die Grundlage für Beteiligung
Wissen, was in der Welt und in seinem Stadtteil oder in seinem Dorf passiert, ist der erste Schritt zur Beteiligung. Neugierig durch die Welt gehen, gehört zu einer der wichtigsten Voraussetzungen in einer lebendigen Demokratie und ist eine grundlegende Eigenschaft engagierter Jugendlicher. Es zeigt, dass dir deine Umgebung nicht egal ist, sondern dass du dich als einen "Teil" dieser Umgebung verstehst (nicht ohne Grund spricht man von Be-teil-igung).
Allgemein Informationen findest du in den Tageszeitungen, Zeitschriften, im Radio, Fernsehen, Internet… Außerdem bieten viele Organisationen einen Newsletter oder Infobrief an, den du abonnieren kannst. Wenn du speziell Informationen im Bereich Jugendbeteiligung suchst, findest du auf www.jugendbeteiligung.info jeden Tag eine Menge News und Termine von Jugendlichen und für Jugendliche. Übrigens ist das Sammeln und Weitergeben von Informationen auch eine Art, Dinge in seinem Umfeld zu bewegen…
Ein Projekt auf die Beine stellen - die Jugendinitative
Es ist vielleicht die direkteste Art, wie du dich beteiligen kannst: Indem du deine Umgebung selber gestaltest. Klassiches Beispiel: In der Stadt gibt es keine Skaterbahn. Ein paar Jugendliche schließen sich zusammen, reden mit der Bürgermeisterin, planen, und bauen letztendlich selber ihre Skaterbahn. Egal ob Diskussionsrunde an der Schule, eine Umweltaktion, eine Ausstellung, ein Konzert gegen Rechts, ein Theaterstück, Projekte motivieren, machen Spaß und bewegen eine Menge vor Ort. Du kannst dich auch an kleinen, lokalen Initiativen beteiligen wie z.B. ein Schülercafé, ein Schülerclub, ein Lesezirkel, eine Politik AG… Dort triffst du Gleichgesinnte und kannst deine Ideen umsetzen.
Kunst kann auch eine Beteiligungsform sein. Bilder, Theaterstücke, Filme, Performances, Graffitis… Eurer Phantasie und euren Talenten sind keine Grenzen gesetzt. Viele Wettbewerbe fordern Jugendlich auf, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Wettbewerbe findest du zum Beispiel hier.
Wenn du Ideen hast, aber nicht weiß, wie man ein Projekt plant, wo man Geld dafür findet, findet ihr viele nützliche Tipps und Checklisten unter www.jugendbeteiligung.info/praxistipps
Mitmischen in der Schule - von der Lernanstalt zum Lebensraum
Die Schule ist ein Ort, an dem man sich fast tagtäglich trifft und einen Großteil seiner wertvollen jungen Zeit verbringt. Wer, wenn nicht du selbst, wüsste schon am besten, was konkret an deiner Schule verändert werden müsste, welche die richtigen Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen sind? Es gibt viele Möglichkeiten an der eigenen Schule mitzumischen.
Eine davon ist das Engagement in der Schülervertretung. Als Klassensprecher oder Mitglied im SV-Vorstand kann man schon viel bewegen. Außerdem hat man Mitsprache- und Mitbestimmungsrechte in den Gremien der Schule. Die SV kann auch durch eigenständige Projekte den Schulalltag praktisch und kurzfristig verändern. Es gibt in jedem Bundesland Schülervertretungsstrukturen.
Eine zweite Möglichkeit des Engagements in der Schule ist, ein eigenes Projekt auf die Beine stellen. Das kann von thematischen Arbeits- und Projektgruppen über Hausaufgabenhilfe bis hin zum Komitee für Schulkultur gehen. Ihr könnt erst mal innerhalb der Schule nach Gleichgesinnten (z.B. über eine Anzeige in der Schülerzeitung, einen Aushang oder über eine SV-Versammlung) suchen. Ein Lehrer, ein Asprechpartner in der Schule, Vereine, Verbände, Unternehmen und Initiativen in eurem schulischen Umfeld können euch bei der Konzeptentwicklung und praktischen Umsetzung unterstützen. Außerdem stehen euch auch die Netzwerke der Servicestelle Jugendbeteiligung zur Seite, die euch Praxistipps, Kontakte und weitere Unterstützungsangebote zur Verfügung stellen können.
Weitere Infos und Kontakte findet ihr unter: www.jugendbeteiligung.info/schule und www.sv-tipps.de
Schreiben, Fotografieren, Layouten - die Jugendmedien
Eine weitere Möglichkeit der persönlichen Partizipation besteht in den Jugendmedien - in oder außerhalb der Schule. Von der klassischen Schülerzeitung über Wandzeitungen, Filmgruppen, Pausenradio bis hin zu Onlinemedien, Jugendmagazine und Multimediaprojekten ist dabei alles denkbar. Für alle diese Medienprojekte kannst du dir Unterstützung bei den Jugendpressestrukturen des jeweiligen Bundeslandes holen.
www.jugendpresse.de
Jugendparlament, Jugendrat, Jugendforum
Sie heißen Jugendgemeinderäte, Jugendforen, Jugendbeiräte, Jugendparlamente oder Jugendräte. So unterschiedlich die Namen sind, so unterschiedlich sind auch die jeweils zu Grunde liegenden Konzepte. In einige Organisationen muss man gewählt werden, bei anderen ist die Teilnahme für jedermann möglich. Manche sind lose Gruppierungen, andere haben ein festes Büro. Daneben gibt es noch Foren oder Hearings die nur punktuell stattfinden. Alle bieten jungen Menschen die Möglichkeit, sich direkt im eigenen Umfeld, Bezirk, Dorf oder Stadt zu beteiligen.
Du willst einen Einblick in die Arbeit von Jugendparlamenten und ähnlichen Projekten gewinnen? Wissen, ob in deiner Nähe ein Jugendrat ist? Über 300 Jugendparlamente, Jugendgemeinderäte, Jugendräte, Jugendbeiräte oder regelmäßig tagende Jugendforen findest du unter
www.jugendbeteiligung.info/jugendparlamente
Bürgerinitiativen
Eine weitere Möglichkeit, sich zu engagieren und auf Probleme und Missstände im eigenen Umfeld aufmerksam zu machen, ist die Gründung einer Protestgruppe oder einer Bürgerinitiative. Als Bürgerinitiativen werden freiwillige Zusammenschlüsse von Bürgerinnen und Bürgern (unabhängig vom Alter) bezeichnet, die ein ganz bestimmtes Ziel aus dem unmittelbaren Lebens- und Wohnbereich verfolgen (ähnlich wie bei der Projektarbeit). Wird dieses erreicht, löst sich die Bürgerinitiative in der Regel auf. Die Themenpalette der nur in Deutschland aktiven Bürgerinitiativen ist nahezu grenzenlos und reicht von der Forderung nach mehr Demokratie bis hin zur Initiative gegen jegliche akustische Supermarkt-Beschallung.
Verbände und Vereine
Verbände und Vereine bringen die Interessen ihrer Mitglieder stellvertretend in den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess ein. In zahlreichen Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Umweltschutzorganisationen und Glaubensgemeinschaften können sich Jugendliche an vielfältigen Projekten ehrenamtlich beteiligen. Welche Verbände und Vereine es in deiner Stadt gibt, kannst du beim Bezirksamt bzw. der Stadtverwaltung anfragen. Große Jugendverbände sowie Jugendorganisationenhaben auch meistens lokale Gruppen.
Jugendorganisationen der Parteien
Das Image von Parteien im Allgemeinen und Politikerinnen und Politikern im Speziellen ist hierzulande nicht immer gut. Vor allem das Gefühl, von den Politikerinnen und Politikern nicht ausreichend ernst genommen zu werden, führt bei vielen Jugendlichen zu Politikverdruss und Desinteresse. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, sich bei einer Partei ehrenamtlich zu engagieren und eigene Ideen und Vorschläge in die politische Diskussion einzubringen.
Das Parteienspektrum in Deutschland reicht von den großen Volksparteien SPD und CDU/CSU über kleinere Parteien wie Bündnis90/ Die Grünen, der FDP und der PDS hin zu Parteien mit relativ geringer Wählerschaft wie etwa der "Partei bibeltreuer Christen" oder der "Tierschutzpartei". Vor allem die Jugendorganisationen wie die Jungsozialisten (SPD), die Junge Union" (CDU), die Grüne Jugend" (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) oder die Jungen Liberalen (FDP) bieten mit ihrer Ausrichtung jungen Menschen ein Forum, sich am politischen Geschehen zu beteiligen.
Jugendorganisationen der Gewerkschaften
Gewerkschaften sind Interessenvertretungen von Arbeitnehmern, die sich zur Wahrung ihrer gemeinsamen Arbeitnehmerinteressen freiwillig und auf Dauer zusammengeschlossen haben. Wenn du arbeitest oder eine Ausbildung machst, kannst du einer Gewerkschaft beitreten. Die bekanntesten Jugendorganisationen der Gewerkschaft sind: DGB-Jugend, ver.di-Jugend und IG Metall-Jugend.
Eine Liste von Gewerkschaften in Deutschland und Europa findest du außerdem hier.
Ein Jahr lang freiwillig - die Freiwilligendienste
Wenn du Lust hast, dich für eine längere Zeit für andere Menschen zu engagieren, kannst du einen so genannten Freiwilligendienst leisten. Das ist in unterschiedlichen Bereichen möglich: Schule, Umwelt, Soziales, Jugendarbeit, Kunst, Internationale Beziehungen, Kirche, Sport… Neben dem Zivildienst gibt es auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur (FSJ-K), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und den Europäischen Freiwilligendient (EFD oder EVS). Mehr Informationen:
- Zivildienst: www.zivildienst.de (Bundesamt für Zivildienst) und www.zivildienst-seite.de
- Freiwilliges Soziales Jahr: www.bmfsfj.de (Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend) und www.pro-fsj.de (Bundesarbeitskreises FSJ)
- Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur: www.bkj.de/reininsleben
- Freiwilliges Ökologisches Jahr www.foej.de/
- Europäischer Freiwilligendienst: www.go4europe.de
Engagement als Verbraucher
Und nicht zu vergessen: die Beteiligung als Verbraucher. Produkte kaufen oder nicht kaufen bedeutet Einfluss haben. Wenn du z.B. ökologische Produkte, eine CD gegen Rechts, Lebensmittel aus dem fairen Handel, Klamotten ohne Kinderarbeit oder eine Straßenzeitung kaufst, oder bewusst auf bestimmte Dinge verzichtet, beteiligst du dich an der Gestaltung dieser Welt. Sein Geld auszugeben ist auch Beteiligung.
Infoscout werden
Du bist schon engagiert und möchtest deine Erfahrung weitergeben? Werde Infoscout! Infoscouts sind Jugendliche aus ganz Deutschland, die sich in verschiedenen Bereichen engagieren. Mit dem Know-How, das sie über die Zeit bekommen haben, werden sie auf Veranstaltungen aktiv, um Projekte und Teilnehmer in Kontakt zu bringen und zu vernetzen, ihr Wissen weiter zu geben. Sie tauschen sich untereinander aus, um Probleme schneller zu lösen und Wissen für alle nutzbar zu machen. Infoscouts nehmen Infoscouteinsätze wahr, z.B. als Jurymitglieder bei Förderprogrammen oder in der Betreuung von Teilnehmern einer Jugendveranstaltung.
Infos und Bewerbung: www.jugendbeteiligung.info/infoscout
Eine regionale Servicestelle Jugendbeteiligung gründen
Regionale Servicestellen für Jugendbeteiligung (regSJBen) sind vor Ort angesiedelte Jugendbeteiligungsbüros von Jugendlichen. Sie informieren über Möglichkeiten, sich zu beteiligen, beraten und vernetzen Jugendbeteiligungsprojekte lokal und überregional. In den regSJB sind Jugendliche selbst Ansprechpersonen für Jugendbeteiligung für bestehende Projekte, für Leute, die Projekte gründen wollen und für die Öffentlichkeit/ für Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung.
Ihr könnt eine regSJB aufbauen, wenn ihr mindestens 3 Personen mit unterschiedlicher Projekterfahrung seid. Mehr Infos unter www.jugendbeteiligung.info/regional
Weitere Beratungsmöglichkeiten
Regionale Servicestellen Jugendbeteiligung
Die regSJBen informieren dich über Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche in deiner Umgebung. Die regSJben sind Initativen von Jugendlichen. Hier findest du die Liste der regionalen Servicestellen.
Freiwilligenagenturen
Die kommunalen Freiwilligenagenturen, -zentren und -börsen sind Anlaufpunkte für das Engagement in der Gesellschaft. Dort kannst du dich beraten zu lassen und erfahren, welche Initiativen es in deiner Umgebdung gibt. Die Freiwilligenagenturen werden in der Regel von Erwachsenen betrieben und richten sich an alle Bürger ohne Altersbeschränkung.
Und viel mehr
Blut spenden, in der Jugendfeuerwehr aktiv sein, der älteren Dame vom Erdgeschoss beim Einkaufen helfen, gegen rassistische Sprüche und Taten Zivilcourage zeigen, sich mit dem Abgeordneten seines Wahlkreis unterhalten… all das ist Beteiligung. Beteiligung fängt ganz klein an. Genau dort, wo du lebst.
Der Text wurde von der Servicestelle Jugendbeteiligung auf der Grundlage eines Artikels von Jens Marquardt, 19, Abiturient aus Berlin, zusammen gestellt. Wir freuen uns über Ergänzungen. Kontakt: post@jugendbeteiligung.info


